...eine Initiative von Elmar Cùs























































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Kapitalmarkt und Kaufkraftschöpfung


Kaufkraftschöpfung als Mittel zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Konsumgesellschaft

Die meisten Ideen zur Reform unseres Gesellschafts- und Wirtschaftsystems bauen auf moralische Argumente um eine „gerechtere“ Umverteilung zu propagieren. Dabei ist eine funktionierende Umverteilung eine zwingende Notwendigkeit, wenn man auf dem Industriesektor nachhaltig Gewinne erwirtschaften will.

Es hat Jahrzehnte gebraucht, um die Fischer traditioneller Fischfangnationen davon zu überzeugen, dass nur mit begrenzten Fangquoten auch langfristig eine Bewirtschaftung der Gewässer gewährleistet werden kann.

Was für Bauern seit Jahrtausenden selbstverständlich ist, haben Volkswirtschaftler, Politiker und Manager, die Millionengagen kassieren bis heute noch nicht gelernt: Wer auf Dauer ernten will, muss das Feld auch düngen!

Wer Waren produzieren und verkaufen will, muss auch dafür sorgen, dass die Konsumenten über Kaufkraft verfügen. Die Lektion ist genauso schwer zu lernen wie für die Fischer, denn sie heißt: Weniger ist mehr. Fang weniger, damit Du mehr fangen kannst. Es klingt paradox ist aber ein unumstößliches Naturgesetz. Es kostet unglaubliche Selbstüberwindung, die eigene Gier zu bekämpfen und ist überhaupt nur möglich, wenn es staatlich angeordnet und überwacht wird.

Allerdings kann Kaufkraftschöpfung nicht angeordnet werden, sondern kann nur durch Anreizsysteme gefördert werden.

Wir sind schon lange dort angelangt, wo zur Abwendung der Klimakatastrophe auf Nutzung so genannter erneuerbarer Energien übergegangen wird. Auch hier gilt das Prinzip, dass eine dauerhafte Energiegewinnung nur aus einer Quelle kommen kann, die ständig neu gespeist wird.

Die Turbokapitalisten glauben aber immer noch, dass sie ständig neue Produkte verkaufen können, ohne für kaufkräftige Konsumenten zu sorgen.

Auch hier gilt aber: Weniger ist mehr. Senke deine Gewinne und zahle deinen Arbeitern mehr, dann kannst du auf Dauer deine Produkte absetzen.

Jedes Unternehmen schöpft genau in der Höhe seines Umsatzes (auf den Endverbraucher zurückgerechnet) Kaufkraft aus der Gesellschaft ab. Es trägt aber nur in der Höhe seiner Lohnsumme zur Schaffung neuer Kaufkraft bei. Solche Firmen also, die reine Kapitalerträge erwirtschaften, tragen praktisch nichts zur Kaufkraftschöpfung bei, während Dienstleistungsunternehmen den größten Beitrag zur Schaffung neuen Konsumpotentials leisten.

Höhere Steuern für „Wenigbeschäftiger“ (=Wenigkaufkraftschöpfer) und niedrige Steuern für „Vielbeschäftiger“ (=Vielkaufkraftschöpfer) stellen also einen natürlichen volkswirtschaftlichen Ausgleich dar, für ein nachhaltig stabilisierbares Wirtschaftssystem.

Kapitalmarktsättigung

Man kann das Nachhaltigkeitsprinzip aber auch anders zur Unterstützung dieser These anwenden.

Eigentlich weiß jeder Unternehmer, dass von jedem Produkt nur eine begrenzte Menge abgesetzt werden kann. Wenn diese Menge erreicht ist, spricht man von einer Marktsättigung.

Das Verleihen von Geld gegen Zinsen ist in vielen Religionen verboten, zumindest aber geächtet. Vielleicht liegt darin einer der Gründe, weshalb Kapitalisten sich also so gerne darauf versteifen, das Zinsgeschäft als vollkommen gleichwertiges Segment unserer Marktwirtschaft darzustellen. Sie sprechen gerne vom „Kapitalmarkt“ und bestehen auf seine Legitimation in einer freien Marktwirtschaft.

Was sie dabei aber gerne übersehen, ist dass sie damit völlig recht haben. Ja, der Kapitalmarkt ist ein vollkommen legitimes Marktsegment, und vor allem, es ist ein Markt WIE JEDER ANDERE!

Und deshalb gilt, - obwohl viele Leute der Ansicht sein mögen: „Geld kann man nie genug haben!“ – auch im Kapitalmarkt:

„Unbegrenztes Wachstum ist nicht möglich!“ (Nona, was gibt es denn schon, das unbegrenzt möglich ist")

Und daher: „Auch der Kapitalmarkt kann einen Sättigungszustand erreichen!“

Ich glaube nicht, dass sich ein Erdäpfelbauer große Sorgen macht, wenn er feststellt, dass sein Nachbar, seine Anbauflächen für Weizen stark vergrößert. Denn er wird in ihm keine Konkurrenz sehen, weil Weizen und Kartoffeln nun mal völlig verschiene Produkte sind.

Und dennoch hat er nur bedingt recht. Denn beides sind Kohlehydratlieferanten und wenn man sich etwa vorstellt, dass durch geeignete Anbaumethoden, Züchtungen und mit entsprechendem Marketing die fernöstlichen Völker dazu gebracht würden, mehr Kartoffeln zu essen, muss jedem klar werden, dass der Reisabsatz weltweit im praktisch gleichen Ausmaß zurückgehen müsste, wie der Kartoffelverbrauch ansteigt.

Man könnte dieses Beispiel natürlich auch auf die gesamte Nahrungsmittelproduktion extrapolieren, und sollte der Mensch es jemals schaffen, seinen Geiz soweit zu überwinden um den Hunger weltweit auszurotten, wäre es auch leicht einzusehen, dass alle noch so verschiedenen Nahrungsmittel das Potential haben, sich am Markt gegenseitig zu verdrängen.

Mit dem Kapitalmarkt ist es ähnlich. Auch hier sind die einzelnen Geldanlagen, Aktien und Devisenspekulationen scheinbar unterschiedlichster Natur und scheinen oft völlig voneinander entkoppelt. So wie beim Erdäpfelbauer, der vielleicht nicht einsieht, dass der Marktpreis für seine Kartoffeln durch den zusätzlichen Anbau von Weizen durch seinen Nachbarn gefährdet sein könnte.

Dennoch haben viele Bauern aufgrund der gestiegenen Produktivität und daher fallenden Marktpreise die Konsequenzen gezogen und haben im Zuge der Industrialisierung unserer Gesellschaft umgesattelt.

Den Akteuren am Kapitalmarkt jedoch fehlt diese Einsicht, auch wenn oft gerade sie diejenigen sind, die vom Wert des „Human“-Kapitals sprechen. Weltweit investieren die Konzerne „Steril“-Kapital und bauen anstelle dessen Humankapital ab.

Ja, der Ausdruck „Sterilkapital“ ist sicher nicht sehr freundlich gemeint und ist auch von ein wenig Zynismus geprägt. Aber hat auch eine durchaus sachliche Rechtfertigung. Denn der Kapitalsektor ist tatsächlich aus realwirtschaftlicher Sicht völlig steril. Stellen Sie sich vor, alle Wirtschafter der Welt würden beschließen, sich auf dem Nahrungsmittelsektor zu betätigen. Nun es ist klar, dass wir dann schließlich alle in Höhlen wohnen müssten, dass es wohl kein Auto und kein Handy gäbe, aber es könnten Menschen in einem solchen System leben und es würde sich ein System von Nahrungsmitteltauschwirtschaft etablieren, das stabil laufen könnte.

Wenn man die Ernährungsproblematik zunächst beiseite schiebt, kann man sich genauso vorstellen, dass die gesamte Wirtschaft nur Autos baut. Auch das kann theoretisch funktionieren, wie bei jedem anderen Produkt.

Nur auf den Kapitalmarkt ist dieses Gedankenmodell nicht in letzter Konsequenz extrapolierbar. Wenn man sich ein Wirtschaftssystem vorstellt, bei dem die einzige Aktivität aller Beteiligten ausschließlich darauf beschränkt ist, Geld zu verleihen, so wird dieses Gedankenmodell völlig ad absurdum geführt.

Monetäres Kapital ist in so ferne steril, als dass es für sich alleine keine realen Werte schafft. Es kann lediglich als Katalysator für das Produktivkapital (Humankapital) dienen, indem es zur Steigerung der Effektivität menschlicher Arbeit eingesetzt wird.

Sein Geld für sich arbeiten lassen, heißt andere für sich arbeiten lassen. Wenn nun aber alle versuchen, ihr Geld für sich arbeiten zu lassen, ohne dass jemand für sie arbeitet, kann das nicht mehr funktionieren.

Sobald strukturelle Massenarbeitslosigkeit entsteht, ist dies ein Zeichen dafür, dass der Kapitalmarkt seine Sättigung erreicht.

Das System von Angebot und Nachfrage als unvollständiges Modell

Schon in der Volksschule lernen die Kinder, dass Angebot und Nachfrage den Preis regeln, und diese Grunderkenntnis dürfte schon auf Aristoteles zurückgehen.

Viel zu wenig beachtet werden aber die Grenzbereiche der Märkte. Die Sättigungszustände an den beiden Rändern der Angebots- und Nachfragekurve.

Einerseits gibt es für jedes Produkt die Sättigungsgrenze, bei der auch ein weiterer Preisnachlass keine nennenswerte Nachfragesteigerung hervorruft. Man kann die Nachfrage nach Bananen nicht ins Unendliche steigern, indem man den Preis senkt. Irgendwann stehen sie den Leuten einfach bei den Ohren hinaus.

Andererseits gibt es eine Vielzahl von Produkten, die noch ein gewaltiges Nachfragepotential hätten, könnte man nur die Preise ausreichend senken.

Oder wenn man aus potentiellen Interessenten, potente Kunden machen könnte, indem man ihre Kaufkraft steigert.

Im Modell von Angebot und Nachfrage fehlt demnach als wichtiger Aspekt die Kaufkraft.

Bei statischer Betrachtung ist die Kaufkraft als Faktor schwer einzuordnen, denn selbstverständlich hat jeder Konsument unterschiedliche Prioritäten und vorlieben. Und seine begrenzte Kaufkraft schlägt sich eben in der preisbezogenen Nachfrage nieder. Wenn ich bei Einführung eines neuen Produkts am Markt einen Preis festlege und die Leute kaufen das Produkt nicht in ausreichender Menge, kann man lange darüber philosophieren, ob der Preis zu hoch ist, oder die Kaufkraft der Konsumenten zu gering.

Anders aber bei dynamischer Betrachtung. Wenn der Absatz eines Produkts trotz gleich bleibendem Preis zurückgeht, kann dies auch an schwindender Kaufkraft liegen, wenn es nicht am Produkt selbst liegt oder die Marktsättigung erreicht ist.

Bei der Gesamtwirtschaft ist die (subjektiv von der breiten Gesellschaft empfundene) Kaufkraft der einzige Regulator für die Gesamtnachfrage. Ein Rückgang der Gesamtnachfrage setzt sich aus dem tatsächlichen Kaufkraftschwund und dem psychologisch empfundenen, bzw. für die Zukunft erwarteten zusammen.

Durch Propaganda und positivistische Prognosen kann man die psychologisch die das Verhältnis der Gesamtnachfrage zur tatsächlichen Kaufkraft zwar beeinflussen, jedoch ist dieser Einfluss sowohl in seiner Größenordnung als auch in der zeitlichen Wirkung begrenzt.

Ein dauerhaftes Missverhältnis zwischen Kaufkraftzehrung und Kaufkraftschöpfung führt unweigerlich zur Wirtschaftskrise.

Es beginnt der Teufelskreis:

1.) Sinkende Kaufkraft bringt sinkenden Absatz für die Unternehmer

2.) Die Unternehmer reagieren mit Preissenkungen, um die Produkte loszuwerden.

3.) Die Konsumenten erleben eine „Wertsteigerung“ des Geldes und hoffen durch Kaufzurückhaltung ihre Kaufkraft für die Zukunft zu steigern.

4.) Die Unternehmer beurteilen die Geschäftsentwicklung negativ. Bei den wenigsten Produkten können sie den Absatz als gewährleistet betrachten. Sie investieren mangels aussichtsreicher Absatzmöglichkeiten nicht, brauchen mangels Investitionen kein frisches Kapital und aufgrund sinkender Gewinne, fallen die Aktienkurse.

5.) Der Kapitalmarkt gerät in Panik. Das mangels Investitionsmöglichkeiten „verflüssigte“ Kapital führt zu einem Geldüberschuss, zu Preissteigerungen und schließlich zur Hyperinflation und zum totalen Crash.

Die Deflation ist nicht ein Ergebnis falscher Geldpolitik, nicht eine Auswirkung von „Geldmangel“, sondern von schwindender Kaufkraft. Die Deflation zeigt sich zuerst bei den Unternehmern durch Absatzschwierigkeiten und veranlasst Preissenkungen.

Das einzige Gegenmittel liegt darin, rechtzeitig dem Kaufkraftschwund vorzubeugen.

Durch Förderung der Kaufkraftschöpfung. Ein nachhaltiges Wirtschaftssystem muss die Steuerlast zwischen kaufkraftzehrenden Unternehmungen und solchen, die maßgeblich zur Kaufkraftschöpfung beitragen stets so verschieben, dass die volkswirtschaftliche Gesamtnachfrage auf Basis struktureller Vollbeschäftigung erhalten bleibt.