...eine Initiative von Elmar Cùs























































.

Gestaltungsmöglichkeiten

Ein besonderer Vorteil von FKKS als Werkzeug zur Konjunkturstabilisierung und Bekämpfung der Arbeitslosigkeit liegt in der extrem hohen Anpassungsfähigkeit.
Durch einfache Variation von zwei Zahlenwerten:
  • Der Basissteuersatz auf Unternehmensgewinne und für den
  • Steuernachlass, der pro Mitarbeiter (bzw. proportional zu den Sozialabgaben).

In diesem Beitrag wollen wir zeigen, wie FKKS theoretisch so extrem ausgestaltet werden könnte, dass Unternehmer förmlich gezwungen (zumindest in einem geschlossenen Wirtschaftsraum) wären, zusätzliche Mitarbeiter einzustellen.

Wir denken uns also ein abgeschlossenes Wirtschaftssystem. Abgeschlossen alleine deswegen, weil wir für dieses Gedankenspiel die Standortfrage beiseite schieben wollen. Ansonsten können wir uns das System ganz banal und normal vorstellen, ganz wie jenes in dem wir derzeit leben. Mit Geldwährung, Marktwirtschaft, Steuern und Sozialsystemen. Die einzige Abnormität liegt also darin, dass Unternehmer nicht ins Ausland flüchten können. Wir vereinfachen das Modell nicht deswegen, weil wir die Standortfrage für unwichtig halten oder uns einfach davor drücken wollen. Wir wollen einen Funktionsmechanismus darstellen, der in der Praxis wegen der Standortfrage nur eingeschränkt wirken würde, bzw. der mit Bedacht eingesetzt werden muss.

Gleichzeitig wollen wir aber verhindern, das Kind gleich mit dem Bade auszuschütten, indem wir uns in der Diskussion über Nebenaspekte verzetteln, oder eine Gewichtung von Argumenten vornehmen, die wir noch gar nicht völlig verstehen.

Nun zu unserem Gedankenmodell:

Nun stellen wir uns die Insel „Taxanica“ vor, wo die Regierung ebenfalls mit einem defizitären Staatshaushalt und mit steigenden Arbeitslosenzahlen zu kämpfen hat.

Bis sie eines Tages auf die irrWITZIGE Idee kommt, die Gewinnsteuern für Unternehmen auf 100% anzuheben.

Während die Unternehmer zunächst vor lauter Wut sich überlegen, wie sie diese Regierung stürzen können, oder sich einfach überlegen, ihre Betriebe ganz zuzusperren und in Hinkunft dem Müßiggang zu frönen, besinnt sich die Regierung schnell eines Besseren und wird sich des WahnSINNS dieser Idee bewusst.

Weil sie aber ihr Gesicht nicht verlieren will, indem sie das neue Gesetz einfach aufhebt, versucht sie, mit einem weiteren Gesetz einen Ausgleich zu schaffen. Sie beschließt, die Unternehmenssteuer zwar auf 100% zu belassen, dafür aber jedem Unternehmer pro Mitarbeiter (der Unternehmer selbst wird nicht hinzugezählt) eine steuerfreie Entnahme von 20.000,-TL (Taxanicische Lira) zu gewähren. Die Bezahlung ist staatlich geregelt und ein Vollzeitarbeitsplatz verursacht jährlich Kosten von 30.000,-TL. Teilzeitarbeitsplätze sind möglich und werden sowohl hinsichtlich der Kosten, als auch hinsichtlich der Steuernachlässe genau im Verhältnis der Arbeitszeit bewertet.

Weil Taxanica in der Südsee liegt, und klimatisch so unglaublich attraktiv ist, ist es im Laufe der Zeit von allen möglichen Menschen aus allen Kontinenten und Kulturkreisen bevölkert worden. Es ist ein echter Schmelztiegel und natürlich gibt es die unterschiedlichsten Reaktionsweisen auf diese Steuerreform. Ein umfassender Überblick ist daher kaum zu erfassen. Deshalb beschränken wir uns auf die Beobachtung eines einzelnen Unternehmers, den wir diskreterweise einfach Sindbad nennen wollen, statt seinen wirklichen Namen preiszugeben.

Nun, Sindbad hatte eigentlich schon in den Vorjahren einen durchaus stabilen Wirtschaftserfolg. Zusätzlich zu den ihm selbst zugestandenen 30.000,- Jahreslohn für die unmittelbar Steuern und Sozialabgaben fällig waren, hatte er jedes Jahr einen Gewinn von rund 100.000,- TL erwirtschaftet, von dem er 50% an Steuern abliefern musste. In seinem Betrieb beschäftigt Sindbad keine weiteren Mitarbeiter. Es handelt sich bei seinem Betrieb um eine Automatentankstelle, die von ihm lediglich in Stand gehalten werden muss. Wo die Geldbehälter täglich einmal zu entleeren sind und wo einmal im Monat die Befüllung der unterirdischen Tanks zu organisieren ist.

Sindbad sieht zwar ein, dass Vater Staat nicht ewig Schulden machen kann, aber dass ihm gar nichts übrig bleiben soll von seinem Gewinn ärgert ihn schon sehr. Sein Busenfreund, Karl Heinz Prasser hat einige Tips für ihn. So schlägt er ihm einige Möglichkeiten vor, wie er sein Geld so aus der Firma herausziehen kann, dass er einfach keinen Gewinn mehr macht. Nun sind diese Tips allesamt nicht wirklich legal und obwohl KHP, der einflussreiche Freunde hat, ihm anbietet notfalls seine Beziehungen spielen zu lassen, ist Sindbad diese Sache rechtlich doch zu heiß. Immerhin steht auf Taxanica auf Steuerhinterziehung Folter und Todesstrafe. Er überlegt ernsthaft, seinen Betrieb zuzusperren und sich eine einfache Arbeit zu suchen. Doch bevor er dazu kommt mit diesem Vorhaben ernst zu machen, meldet sich sein alter Cousin Adam Reisig von der anderen Inselseite für einen spontanen Besuch an.

Abends bei einem Gläschen Zuckerrohrschnaps klagt Sindbad ihm sein Leid. Adam, ein alter Lebenskünstler, der nie ernsthaft gearbeitet hat, hat einen natürlichen Sinn seinen persönlichen Vorteil und auch für Zahlen im Speziellen.

„Warum,“ sagt er, „ stellst Du nicht einfach Deine Frau und Deinen älteren Sohn bei Dir an? Der Lohn bleibt dann in der Familie, Dein Gewinn würde sich nach Abzug der Lohnkosten nur mehr auf ca. 40.000,- TL belaufen, und die könntest Du wegen Deiner beiden Angestellten einfach steuerfrei entnehmen!“

„Ja, das wäre schön. Aber leider ist die Scheinbeschäftigung von Familienmitgliedern ausdrücklich erwähnt in der Missbrauchsklausel und mein Leben, geschweige denn Folter möchte ich nicht wirklich riskieren!“

„Na, dann such’ Dir doch wenigstens irgendeinen X-beliebigen von der Straße, bzw. gleich zwei davon und stelle sie ein. Dann bleiben Dir zumindest die 40.000,- TL, als Steuernachlass. Das ist weniger als die 50.000,-, die Dir früher geblieben sind, aber besser als gar nichts!“

Es mutet Sindbad zwar etwas seltsam an, zwei Leute einzustellen ,für die er keine Verwendung hat, aber nachdem ihm Adam das ganze mehrmals vorgerechnet hat, leuchtet ihm die Mathematik ein und er setzt die Idee in die Tat um.

Das Schicksal meint es aber nicht so gut mit ihm. Denn die beiden Arbeitslosen, die er eingestellt hat, bereiten ihm mehr Sorgen als erwartet. Sindbad hatte ihnen gleich zu Anfang erklärt, dass es ihm genügen würde, wenn sie den Arbeitsvertrag unterschreiben und ihm ihre Kontonummer nennen würden, um ihnen ihre Löhne überweisen zu können. Die Wartung der Tankanlagen und insbesondere das Leeren der Geldautomaten wollte er keinem anderen überlassen. Sie könnten also getrost zu Hause bleiben.

Unsere beiden Arbeitslosen waren aber erst vor einigen Jahren aus einem Land zugewandert, in dem es zum guten Ton gehörte für sein täglich Brot zu arbeiten. Sie können und wollen ihre verstaubten Ehrbegriffe nicht so ohne weiteres über Bord werfen und bestehen darauf, täglich bei der Tankstelle zur Arbeit zu erscheinen.

Zähneknirschend nimmt Sindbad dies zur Kenntnis, nachdem die Arbeitsverträge bereits unterzeichnet und auch nicht so leicht kündbar sind.

Unsere beiden Ex-Arbeitslosen aus dem altmodischen Kulturkreis lassen es sich darüber hinaus nicht nehmen, ihn jedes Mal, wenn er sich bei der Tankstelle blicken lässt, zu fragen, ob sie nicht etwas tun könnten. Einfacher Tätigkeiten, wie das Putzen der Zapfsäulen und andere Aufräumarbeiten erledigen sie ohnehin auf eigene Initiative.

Und mit der Zeit gewöhnt sich Sindbad an, jedes Mal bevor er zur Tankstelle geht, sich eine kleine Arbeit einfallen zu lassen, nur damit er nicht so blöd da steht, wenn die obligate Frage kommt: „So, was sollen wir als nächstes tun?“

Nachdem ihm die beiden erzählen, dass immer wieder Kunden nach einem Ölwechsel fragen, und sie ihm versichern, diese einfache Tätigkeit durchaus verrichten zu können, ja und sogar froh wären über ein wenig Abwechslung, lässt er die beiden zunächst eine Grube ausheben, kauft ein Fass mit Öl und bietet hinfort auch Ölwechsel als Service an.

Über diesen ganzen Ärger und die langen Diskussionen über den Ölservice, bis hin zum Bau der Grube und der Klärung der Frage, ob auch ein Filterwechsel angeboten werden solle, ist dieses erste Jahr schneller vergangen als es Sindbad eigentlich wahr haben wollte.

Nun kommt die Zeit der Jahresabrechung und Sindbad staunt nicht schlecht über den Umstand, dass er glatt 50.000,- TL an Steuern zu zahlen hat.

Wie konnte das geschehen?

Sein Cousin Adam hatte ihm doch genau vorgerechnet, dass von seinen 100.000,-TL 60.000,- für die Gehälter aufgehen würden und er die verbleibenden 40.000,- steuerfrei entnehmen könne!

Er setzt sich hin und rechnet alles noch einmal durch und erkennt schließlich, wo der Fehler lag. Einerseits war durch den neu eingeführten Ölservice zusätzlich 20.000,- TL an Einnahmen erwirtschaftet worden. Andererseits waren aber auch beim Tanken die Einnahmen um 30.000,- gestiegen. Dazu hatten mehrere Faktoren geführt. Da war der Umstand, dass die Tankstelle jetzt einladender war, weil sie immer sauber gehalten wurde. Und nun, da immer jemand dort war, kamen wohl manche KundInnen auch gern einmal vorbei um zu plaudern, oder einfach weil die beiden Jungs dort hübschen Damen gern einmal unter die Haube guckten und zusahen, dass die Schmierung in Ordnung war. Und schließlich hatte Sindbad früher oft erst am Abend beim Ausleeren der Kassen bemerkt, wenn die Automaten eine Störung hatten. Am Kassastand konnte er dann manchmal erkennen, dass der Automat schon ganz früh am morgen ausgefallen sein musste und somit praktisch den ganzen Tag außer Betrieb gewesen war.

Seit er die beiden Jungs eingestellt hatte, riefen sie ihn immer gleich an, wenn etwas nicht funktionierte und er musste sich sofort darum kümmern. Das war zwar manchmal lästig und er hatte die beiden deswegen einige Male verflucht, wenn er solchermaßen aus den Armen eines hübschen Mädchens gerissen wurde, aber er staunte natürlich nicht schlecht, wie viel am Jahresende dadurch herauskam.

Als Adam wieder einmal zu Besuch kommt, schwärmt er diesem vor, wie gut die Idee mit den neuen Mitarbeitern gewesen war, und dass er sich ärgere, nicht schon lange vorher darauf gekommen zu sein. Zwar ärgere es ihn, dass er nicht viel von den zusätzlichen 50.000,- TL Gewinn habe, weil er ihn zur Gänze abliefern müsse, aber trotzdem habe ihm das Unternehmertum wieder begonnen mehr Spaß zu machen. Außerdem hatte er ohnehin nur mit einem Nettogewinn von 40.000,-TL gerechnet, und die hatte er ja bekommen.

„Es freut mich zwar, dass es Dir gut geht und Dir die Arbeit solchen Spaß macht, aber in einer Hinsicht solltest Du Dir keine Illusionen machen. Aus wirtschaftlicher Sicht rechnen sich Deine beiden Pappenheimer ganz und gar nicht! Du hast es mir ja selbst vorgerechnet: Sie kosten Dich jeder 30.000,- TL im Jahr. Der Zusatzgewinn belief sich aber nur auf 50.000,-TL, oder pro Kopf gerechnet 25.000,-.

Im Grunde haben Deine beiden Jungs pro Kopf also 5.000,- Miese für Dich gemacht.“

Schlimmer hätte es Sindbad nicht treffen können. Eben war er noch so euphorisch gewesen und nun hat ihn Adam völlig demoralisiert. Adam tröstet ihn aber sofort, denn es tut ihm unglaublich leid, dass er Sindbad die Freude verdorben hat. Das war nicht seine Absicht gewesen, sondern er wollte nur zeigen, wie die Rechnung in früheren Zeiten ausgegangen wäre.

„Hör’ zu, Sindbad“, schlägt er ihm nun vor, „Deine Entscheidung war trotzdem richtig! Und nicht nur das. Ich würde Dir sogar vorschlagen, für das kommende Jahr noch einen weiteren, einen zusätzlichen Mitarbeiter einzustellen.“

Ein wenig ungläubig zunächst, lässt sich Sindbad von Adam wieder vorrechnen, dass er für das nächste Jahr am besten einen dritten Mitarbeiter einstellen sollte. Dann blieben ihm von den 50.000,- Zusatzgewinn wiederum nach Abzug der 30.000,- Lohnkosten 20.000,- übrig, die er dann aber auch entnehmen dürfte. So müssten ihm im kommenden Jahr ganze 60.000,-TL zur privaten Entnahme verbleiben.

Bei der Verabschiedung verspricht Sindbad zwar, diesen Rat zu befolgen. In Wahrheit aber nimmt er sich vor, ein paar Nächte darüber zu schlafen. Die 5.000,-TL „Miese“, pro Kopf und Mitarbeiter machen ihm irgendwie zu schaffen.

Weil er aber auch nach noch so viel Grübeln nicht wirklich auf den Kern der Sache stößt, beschließt er, den Rat seines weisen Cousins zu befolgen.

Immer wieder, wenn es ihm in den Sinn kommt, denkt er über dieses Problem nach, kommt aber nie auf einen grünen Zweig und so vergeht wieder ein Jahr und die Bilanz wird fällig. Und auch wenn er das ganze nicht wirklich durchschaut, muss er feststellen: Es war richtig, dem Rat von Adam zu folgen. Sein Gewinn beträgt nur knapp mehr als 60.000,-TL, und soviel darf er mit den drei Mitarbeitern frei entnehmen.

Sindbad ist jetzt richtig glücklich. Er denkt zurück an die Zeit, als der Steuersatz noch 50% betragen hatte und wie er nach der Erhöhung auf 100% am liebsten eigenhändig den Finanzminister erwürgt hätte. Nach außen hin würde er es nie zugeben, aber insgeheim muss er sich eingestehen, dass sein Nettogewinn von 50.000,- auf 60.000,-Tl gestiegen ist. Nicht ohne sein eigenes Zutun, aber doch immerhin.

Und gerade während er seinen inneren Frieden mit dem Finanzminister schließen will, wird in den Nachrichten durchgegeben, dass für das kommende Jahr beschlossen wurde, den Steuernachlass von 20.000,-TL pro Kopf drastisch auf 7.500,-TL zu kürzen.

Nach einem kurzen Anruf bei Adam Reisig, bestätigt ihm dieser, dass es an der Zeit ist, einen neuen Mitarbeiter einzustellen. So würden ihm zumindest noch 30.000,-TL netto übrig bleiben.

Mitarbeiter Nummer drei hatte keine merklichen Mehreinnahmen verursacht. Da die Tankstelle aber für 4 Mitarbeiter nun eindeutig zu klein ist, baut Sindbad einen kleinen Imbiss dazu. Im folgenden Jahr steigt sein Gewinn – vor Abzug der Lohnkosten gerechnet - von 150.000,- auf 200.000,- TL. Nun wären es einer und ein zu einem Drittel Teilzeitbeschäftigter, die er neu einzustellen hätte, lässt ihm Adam von seiner Sekretärin ausrichten, weil er nicht mehr selbst ans Telefon geht.

Ihm gehen die häufigen Anrufe mittlerweile auf die Nerven und deshalb hat er ein kleines Computerprogramm geschrieben, wo Sindbad die aktuellen Steuernachlässe, den erwarteten Gewinn und die Mitarbeiterzahl eingeben kann. Das Programm sagt ihm dann automatisch, ob, bzw. wie viele Mitarbeiter er einstellen soll, und wie viel ihm am Jahresende netto übrig bleiben wird.

Sindbad hat inzwischen festgestellt, dass er praktisch mit jedem neuen Mitarbeiter 25.000,- TL zusätzliche Einnahmen erwirtschaften kann.

Er ist nicht so gut im analytischen denken, aber mit dem neuen Computerprogramm von Adam, macht es ihm Spaß, alle möglichen Varianten von Steuernachlässen und Mitarbeiterzahlen durchzurechnen.

Er findet heraus, dass er sicherlich nie mehr als 19 Mitarbeiter haben wird und das auch nur, wenn Vater Staat den Steuernachlass auf 263,-TL pro Mitarbeiter senkt.

Sein Nettogewinn würde dabei auf 5.000,-TL sinken.

„Ja“, erklärt ihm Adam, der nach langer Zeit schließlich doch wieder einmal zu Besuch kommt, „diese Zahlen ergeben sich daraus, dass Du ohne Mitarbeiter 100.000,TL Gewinn gemacht hast. Wenn Du – wie in Deiner Annahme – bei jedem neuen Mitarbeiter 25.000,-TL Mehreinnahmen erzielst, er Dich aber 30.000,- kostet, ergibt sich diese Zahl automatisch. Denn bei 20 Mitarbeitern zu je 5.000,- Verlust wären die gesamten 100.000,- Grundgewinn aufgezehrt. Da wäre dann die Steuerquote völlig egal. Also kannst Du maximal um einen weniger einstellen, damit überhaupt noch etwas an Gewinn übrig bleibt. Und wenn Vater Staat will, dass Du dieses Maximum von 19 Personen einstellst, darf er Dir gerade nur ein Neunzehntel von den 5.000,- TL - also 263,- TL als Nachlass gewähren. Würde er Dir mehr gewähren, würdest Du nicht so viele Mitarbeiter einstellen. Und würde er Dir weniger gewähren, würde es ihm nicht viel bringen, aber Dich noch mehr demotivieren! Das ist eben einfache Zahlenmathematik!“

„Das sind ja schöne Aussichten!“ meint Sindbad voller Bitterkeit.

„Na, ich würde unsere Zukunft nicht so schlimm beurteilen. Immerhin ist schon in den letzten drei Jahren der Schuldenberg unseres Landes deutlich geschrumpft. Seit auch andere Unternehmer es so machen wie Du und es mittlerweile viel weniger Arbeitlose gibt, bleibt dem Staat genügend übrig um Rückzahlungen zu leisten.

Aber was noch mehr ausmacht, ist dass alle Geschäftsleute, sich über stetig steigende Umsätze freuen. Schließlich haben ja jetzt auch viele Leute mehr Geld, als früher.

Dem Normalbürger, der ein Standardgehalt bekommt, bleiben von den 30.000,- nach Abzug der Sozialversicherung und Steuer immer noch 15.000,-TL übrig, die er ausgeben kann. Das Arbeitslosengeld aber beträgt nur 9.000,-TL.

Ich glaube also nicht, dass es soweit kommt, dass Du 19 Mitarbeiter einstellen musst und dann nur noch 5.000,- TL für Dich bleiben. Da würden uns schon lange vorher die Arbeitslosen ausgehen!“

Sindbad hat so seine Zweifel, was Adams Zuversicht anbelangt, aber er lässt sich nichts anmerken. Er ist froh, dass die Ratschläge von Adam ihm in den letzten Jahren weitergeholfen haben. Denn er hat sehr wohl bemerkt, dass einzelne Kollegen weniger geschickt waren mit ihrer Einstellungspolitik. Alles in alllem gerechnet ist Sindbad aber nicht unglücklich. Denn er ist gern Unternehmer und die letzten Jahre waren alles andere als langweilig für ihn. Und die folgenden würden es wohl auch nicht.

„Ja“, sagt er, während er sich auf seiner Veranda gemütlich im Stuhl zurücklehnt und an seiner Pfeife schmaucht. „Du hast recht. Die Aussichten sind wirklich nicht so schlecht.“

Die beiden prosten sich mit einem Glas Zuckerrohrschnaps zu und freuen sich darüber, dass es immer Möglichkeiten gibt, sich die Zukunft zu gestalten.

Natürlich wollen wir mit dieser Geschichte nicht etwa vorschlagen, die Körperschaftssteuer auf 100% anzuheben.

Auch wollen wir nicht vorschlagen, Unternehmer zu zwingen, praktisch all ihren Gewinn durch Anstellung von Mitarbeitern aufzubrauchen, die sich alleine gar nicht rechnen würden.

Mit dieser Parabel wollen wir einfach nur zeigen, dass das Konzept bis in letzter Konsequenz schlüssig funktionsfähig ist. Dass es – abgesehen von der Standortfrage – etwa bis zu einer Basissteuerquote von 100% funktioniert.

Dass es sogar so gestaltet werden kann, dass wie in der ersten Runde von Adam vorgeschlagen, sogar zur Einstellung von völlig unproduktivem Personal animieren kann.

Aber wir wollen auch zeigen, wie in der zweiten Runde sogar für den Unternehmer ein echtes Plus gegenüber dem Anfang zustande kommen kann, wenn sich seine Angestellten zumindest teilweise selbst finanzieren. Noch beeindruckender ist es in der zweiten Runde, wenn man sich die Gesamtbilanz für den Staat ansieht. Mit den angenommenen Zahlenwerten ergäbe sich nämlich für den Staat bei 3 Mitarbeitern zunächst nur 45.000,- an Lohnsteuern gegenüber ursprünglich 50.000,- an Unternehmenssteuern. Dafür würde er sich aber 27.000,- an Arbeitslosengeldern sparen.

Es würde sich also um eine klassische Win-Win-Situation handeln. Sindbad hätte statt 50.000,- netto 60.000,-, der Staat unterm Strich 72.000,- statt 50.000,- und die drei Mitarbeiter je 15.000,- Nettolohn gegenüber 9.000,- Arbeitslosengeld. In Summe ergeben sich aus diesen Zugewinnen die 50.000,- Mehreinnahmen, die Sindbad durch den besseren Service an seiner Tankstelle gemacht hat.

Die Rechnung stimmt also.

Und die 50.000,- Mehreinnahmen können unmittelbar als reales Wirtschaftswachstum angesehen werden, um welches das BIP zunehmen würde.

Die Rechnung zeigt, wie sich eine volkswirtschaftliche Erkenntnis – nämlich: „Besser einer erwirtschaftet nur 25.000,- als er ist arbeitslos und erwirtschaftet gar nichts!“ sich durch entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen so umsetzen lässt, dass die Schaffung eines solchen Arbeitsplatzes auch für einen Unternehmer betriebswirtschaftlich Sinn machen kann.